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29. Juli 2013 / Dagmar Grace Reder

Sie und nicht wir

Die  Ruhe. Die tiefe Ruhe, die Stadt ging bereits schlafen. Es ist dunkel, tief dunkel und es riecht nach Feuchtigkeit dank dem Fluss unter meinen Füßen. Ich tauche meine Zehen leicht ins Wasser ein.  Alles schläft ruhig…

Aber nicht ich. Wie immer, wenn mein Kopf voller Gedanken ist. So ist es auch an diesem Abend.  Kalt ist das Wasser, das meine Füße berührt, so wie meine Seele kalt geworden ist. Kälter, kälter, immer kälter wird die. Mein Herz gibt es seit langem nicht mehr. Da drinnen ist nur eine Blutpumpe geblieben. Ich glaube an nichts mehr und auf keinen Fall an die Menschheit. Zu sehr bin ich verletzt und enttäuscht worden.

Ich denke wieder an sie. Sie lässt mich wahrscheinlich nie wieder los.

Eine Freundin und ein Feind in einem.

Ich liebe und hasse sie gleichzeitig.

Ich spüre die feuchte Wärme an meiner Wange. Warum tat sie mir das an? Oder… Warum tat ich ihr das an? Wo ist sie jetzt? Denkt sie noch an mich? Vorher konnten wir nicht schlafen gehen, ohne sich gegenseitig gute Nach gewünscht zu haben. Und jetzt?
In diesem Moment schaute ich auf mein Handy. Aber nein, keine Nachricht, kein Anruf.

Was denkt sie bloß von mir?

Was denke ich bloß von ihr?

Komisch, wie schnell einige in unser Leben kommen und bleiben… und zwar für immer. Auch, wenn sie leiblich nicht mehr da sind, bleiben die in Erinnerung für immer.
Menschen, die wir lieben oder irgendwann geliebt haben, bleiben für uns immer wichtig und die können wir nie vergessen. Liebe stirbt nie voll und ganz. Sie wird still, schläft in uns ein, aber die stirbt nie. Und Freundschaft, die schönste und edelste Art der Liebe zwischen zwei anfangs fremden Menschen. So bleibt sie in mir und ich wünschte mir so sehr, dass ich in ihr…

Ich ziehe eine Zigarette aus der Schachtel aus und zünde die an. Der Rauch kratzt meinen Rachen und dank der Nikotin in meinen Lungen spüre ich die kommende Entspannung. Oder ist das nur meine bloße Vorstellung, weil wir beide so gerne gemeinsam geraucht haben?

Ich weiß nichts mehr. Wir beide haben einen Abschnitt des Lebens abgeschlossen und etwas Neues angefangen – in zwei Welten, weit voneinander enfernt und dem Anschein nach – einander vergessen zu haben.
Doch es gibt Menschen, die wir nie vergessen.
Seelenverwandte.
Menschen, die genau so fühlen, wie wir.

Die Trennung tut immer weh.
Doch wir leben weiter. Mit eigenen Freunden, Plänen, Vorstellungen, Sehnsüchten.

Sie ist und lebt irgendwo da.
Sie und nicht wir.
Aber ich liebe sie immer noch. Ich werde sie nie vergessen.

Der Filter an der zigarette wird heiß, ich werfe die Kippe ins Wasser. Ich bleibe noch kurz sitzen mit Musik in den Ohren. Meine Tränen fließen nicht mehr, von denen habe ich genug viel vergossen. Besonders für sie.

Leb wohl, meine Liebe. Mir geht es gut – so soll es Dir auch gehen.
Für Dich gibt es immer Platz in meinem Leben.
Leb wohl!

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